Das AIS von Pas-de-Calais: Eine Webanwendung im Dienst der modernen Archäologie
Pierre Laulhe
Seit über zehn Jahren entwickelt das Département Pas-de-Calais sein Archäologisches Informationssystem (AIS). Im Jahr 2024 wurde eine neue Version der Anwendung veröffentlicht, die den komplexen Anforderungen des Archäologieberufs gerecht wird und gleichzeitig nationale Standards antizipiert. Ein Rückblick auf ein Vorzeigeprojekt an der Schnittstelle von Technologie, Wissenschaft und Design.
Ein zukunftsweisendes Datenmodell
Einer der Grundpfeiler dieser Anwendung ist ihr Datenmodell, das auf 78 relationalen Tabellen aufgebaut ist. Kürzlich wurde eine Angleichung an das nationale Referenzprojekt des französischen Kulturministeriums durchgeführt, mit einem beeindruckenden Übereinstimmungsgrad von über 91%. Die restlichen 9% betreffen neue Felder, die sich problemlos in die bestehende Datenbank integrieren lassen.
Das Modell verkörpert einen wissenschaftlich fundierten Ansatz für Daten, mit Fokus auf Konsistenz, Rückverfolgbarkeit und Skalierbarkeit. Trotz dieser technischen Komplexität wurde das AIS so konzipiert, dass diese strukturelle Tiefe für die Benutzer vollkommen transparent bleibt. Jede fachliche Funktion profitiert von einer passenden Oberfläche, die die Benutzerführung übernimmt, ohne die technische Struktur sichtbar zu machen.
Eine Benutzeroberfläche für vielfältige Einsatzbereiche
Eine Benutzeroberfläche zu entwerfen, die den Anforderungen aller Beteiligten einer archäologischen Massnahme gerecht wird – von Grabungsteams bis hin zu Fachleuten für Kulturerbevermittlung – stellte eine grosse Herausforderung dar.
Dank der Arbeit der UX/UI-Designerin Lucile Collignon, verfügt die Anwendung nun über eine klare, konsistente und intuitive Oberfläche. Nach ausführlicher Spezifikation und Nutzungsanalyse wurde ein dynamischer Prototyp entwickelt, um die Ergonomie unter realen Bedingungen zu testen, zu verbessern und zu validieren – selbst bei grossen Datenmengen.
Bewährte Leistung bei grossen Datenvolumen
Das AIS überzeugt nicht nur durch seine Benutzerfreundlichkeit, sondern auch durch seine Leistungsfähigkeit in der Praxis:
- 1.347 erfasste archäologische Projekte
- 149.797 archäologische Einheiten (sog. "UE" – "unités d’enregistrement")
- 278.858 dokumentierte Fundobjekte
Eine kostenlose, zuverlässige und übertragbare Lösung
Das AIS des Départements Pas-de-Calais ist heute eine Open-Source-Lösung, dokumentiert und auch für andere öffentliche Einrichtungen einsetzbar. Diese Offenheit garantiert nicht nur die Transparenz des Codes, sondern ermöglicht auch eine gemeinsame Weiterentwicklung und die Bildung nationaler Synergien.
Dieses Projekt vereint zwei grosse Ziele: die Weiterentwicklung digitaler Werkzeuge für die Archäologie und deren bessere Zugänglichkeit, Standardisierung und Anpassung an die Realitäten vor Ort. Wir danken dem Département Pas-de-Calais herzlich für das Vertrauen und dem gesamten Projektteam für diese bereichernde Zusammenarbeit – menschlich wie technisch.
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